Der Tag in Beverly Hills, an dem mich ein Tesla besiegte

Am dritten Reisetag bin ich ziemlich erschöpft aufgewacht. Der zweite Tag hatte es bereits in sich – wobei der erste Tag nach der Einreise eigentlich außer Konkurrenz läuft.

Diesen kann man aus der Reise fast herausrechnen: Jetlag, Müdigkeit, leichter Kulturschock, Akklimatisierung und irgendwie ständig Hunger.

Das Essen hier ist schon verlockend. Die Portionen sind riesig, oft ziemlich fettig und verdammt lecker. Wobei man bekanntlich sagen muss: Alles, was besonders gut schmeckt, ist meistens nicht die gesündeste Wahl.

Gestern, am zweiten Reisetag, hatten wir uns eindeutig zu viel vorgenommen. Wir sind insgesamt rund zwölf Kilometer zu Fuß unterwegs gewesen – inklusive Hin- und Rückweg zum Hotel. Nachdem wir die Spanngurte für die Mopeds besorgt hatten, beschlossen wir, den dritten Tag etwas ruhiger anzugehen. Schließlich liegen noch viele Abenteuer vor uns, und dafür braucht man Reserven.

Der Morgen begann allerdings chaotisch. Beim Kramen in meinen Taschen stellte ich fest, dass ich meine Gesichtscreme zu Hause vergessen hatte. Mein Gesicht fühlte sich bereits wie eine Trockenpflaume an, also musste kurzerhand Bodylotion als Ersatz herhalten. Anschließend habe ich das Ganze noch abgepudert – was die Situation nicht unbedingt verbessert hat.

Unter einem Motorradhelm haben Frauen ohnehin nur begrenzte Möglichkeiten, sich zu schminken oder die Frisur in Form zu halten. Also beschloss ich spontan: zwei Monate Beauty-Pause.

So geschniegelt und geschniegelt genug machten wir uns auf den Weg nach Hollywood und Beverly Hills – dorthin, wo die Schönen und Reichen leben sollen. Das wollte ich mir natürlich ansehen.

Für die Erkundung nutzten wir einen Hop-on-Hop-off-Bus und ließen uns entspannt durch die berühmtesten Viertel chauffieren.

Das Frühstück war zu diesem Zeitpunkt längst überfällig. Überraschenderweise fanden wir am Hollywood Boulevard um zehn Uhr morgens kaum ein geöffnetes Café. Zum Glück entdeckten wir schließlich ein klassisches amerikanisches Diner mit bordeauxroten Sesseln und echtem Retro-Charme.

Zweimal Sandwich, zweimal Kaffee und zweimal Orangensaft – alles zusammen für 35 Dollar.

Und ich muss sagen: Das Sandwich war hervorragend. Alles wurde direkt vor unseren Augen frisch zubereitet. Man konnte über die Theke schauen und beobachten, wie der flinke Koch die Zutaten briet und anrichtete.

Das eigentliche Abenteuer begann allerdings auf dem Rückweg.

Der Versuch, mit dem Taxi vom Hollywood Boulevard zurück nach Long Beach zu fahren, entwickelte sich zu einer unerwarteten Herausforderung. Unser Fahrer saß in einem Tesla und schien entweder das Auto oder das Brems- und Gaspedal noch nicht ganz verstanden zu haben. Vielleicht lag es am Fahrzeug. Vielleicht am Fahrer. Vielleicht an beiden.

Jedenfalls bestand die Fahrt aus abruptem Bremsen, plötzlichem Beschleunigen und einem Fahrstil, der meinen Magen zunehmend auf die Probe stellte.

Während vorbeifahrende Menschen freundlich winkten, weil sie mein Gesicht am Fenster sahen, kämpfte ich bereits ums Überleben. Die meisten von ihnen hatten großes Glück, dass wir beschlossen, die Fahrt vorzeitig zu beenden.

Ja, tatsächlich mitten auf der Autobahn.

Von Hollywood bis Long Beach sind es ungefähr 60 Kilometer. Ich hing mittlerweile mit dem Kopf am Fenster und fragte mich ernsthaft, wie ich die restliche Strecke überstehen sollte.

Also stiegen wir aus. Schnell weg vom Auto, bevor noch die Polizei auftauchte.

Zum Glück war der nächste Uber rasch bestellt.

Und siehe da: wieder ein Tesla.

Dieses Mal saß allerdings ein Rocker am Steuer, hörte laut Rockmusik und rauchte während der Fahrt. Eine Erfahrung, die vermutlich ebenfalls nicht in jedem Reiseführer empfohlen wird.

Amerikanische Taxifahrer sind definitiv ein eigenes Kapitel wert.

Am Ende stellte sich heraus, dass nicht der Tesla das Problem gewesen war, sondern die Fahrweise des ersten Fahrers.

Trotzdem lautet meine persönliche Erkenntnis des Tages:

Setz dich niemals ganz hinten in einen Tesla, wenn du einen empfindlichen Magen hast.

Morgen holen wir endlich unsere Bikes ab.

Ich hoffe, dass alles reibungslos verläuft.