Zwischen den Welten (oder: Wenn man an Tag 6 um 19:00 Uhr im Bett merkt, dass das hier echt ist)
Tagebuch: Reise von L.A. nach Panama
Tag 6 & 7
Wir sind nun in Palm Springs angekommen. Von Temecula bis hierher sind es gerade einmal 180 Kilometer – für uns ein absoluter Katzensprung. Da wir jedoch erst seit zwei Tagen mit den Mopeds in den USA unterwegs sind, haben wir uns bewusst für ein entspanntes Cruisen entschieden.
Die Temperatur: herrliche 29 Grad! Palm Springs präsentiert sich als sehr gepflegte Großstadt mitten in der Coachella-Wüste. Der Highway 74 führt über die Berge – genau die Kulisse, die man aus all den amerikanischen Filmen kennt.
Der 7-Kilometer-Hungermarsch
Erfolgreich im Apartment-Hotel mit Selbstverpflegung eingecheckt, machten wir uns auf den Weg zum nah gelegenen Supermarkt. „Nah gelegen“ war allerdings maßlos untertrieben: Es waren sage und schreibe 7 Kilometer zu Fuß! Für den Rückweg haben wir dann doch lieber ein Uber bestellt...
Wenn ich heute – drei Jahre später – daran zurückdenke, spüre ich diesen Moment noch genau so im Körper wie damals. Ich höre die Musik leise im Radio des Taxis, rieche die offene Luft, spüre die warme, trockene Wüstenluft um 18 Uhr auf der Haut, während draußen die Berge im goldenen Licht der Abendsonne von Coachella vorbeiziehen. Es war alles so unfassbar surreal.
Anscheinend geleitet von akuter Unterzuckerung, fiel unser Beutezug im Supermarkt entsprechend wild aus. Die 100-Dollar-Riesentüte beinhaltete:
Ein Riesenbrot (700 g)
Mexikanischer Dip mit Käse und Mais (500 g)
Brot-Sesam-Stangen (400 g)
Obstschale (1.000 g)
Zwei Joghurts mit Crispy-Müsli und Blaubeeren (je 300 g)
Salatschale mit Cheddar, Hähnchen, Speck und Eiern (600 g)
Und natürlich veganes Eis (2 x 350 g)
Wir machen schließlich Diät...
Zwischen Sinatra-Vibe, Drag-Show und Heimweh-Gedanken
Nach diesem opulenten „Weihnachtsessen“ – es ist schließlich der 24. Dezember 2022 – folgte ein kleiner Spaziergang durch die wunderschönen Straßen von Palm Springs. Viele Menschen hatten es sich in den Restaurants mit Freunden und Familie gemütlich gemacht, um den Abend zu feiern. Zahlreiche Kunstgalerien, tolle Restaurants und überall Regenbogenflaggen!
Eine sonnige, gemütliche Stadt, in der in den 50er-Jahren schon Frank Sinatra ein Haus hatte.
Um 19:00 Uhr lagen wir bereits im Bett. So früh war ich in meinem Leben noch nie im Bett! Ich werde wohl langsam alt...
Aufgewacht sind wir von lautem Gesang von Ariana Grande und Mariah Carey – der Ton kam von unten aus einer China-Bar im Hotel, wo für die heutige Travestie-Show geprobt wurde. Das Chillen auf der Terrasse versprach also, sehr amüsant zu werden!
Zwischendurch standen auch ganz bodenständige Dinge auf dem Programm: Wäschewaschen und Relaxen (das Apartment-Hotel bietet dankenswerterweise eine kostenlose Waschmaschine zur freien Nutzung).
Auf Reisen kommt der Verstand oft viel später an als den Körper. Nach sechs Tagen hing ich noch so völlig zwischen den Welten. Wir konnten damals noch gar nicht ahnen, wie heftig, wie gewaltig diese Reise über all die Länder und Kontinente hinweg noch werden würde. Aber in dieser warmen, umarmenden Abendluft von Palm Springs lag bereits ein leiser, feiner Schauer von Gänsehaut – das dumpfe Gefühl, dass das Abenteuer jetzt, genau in diesem Moment, seinen Anfang nahm. Ein unbeschreibliches Privileg.