Vegas, wir kommen doch!
Tag 8, 9
Weil wir in LA anscheinend zu viel Langeweile hatten, haben wir uns nun doch entschieden, nicht nur in Kalifornien zu bleiben. Trotz des Wetterberichts – der eine kalte Wetterfront mit bis zu minus 5 Grad vorhersagte – wollten wir uns den Grand Canyon und Las Vegas in Arizona und Nevada nicht entgehen lassen.
Bis zum 4. Januar sind es noch 8 Tage. Die Idee war, von Palm Springs (Kalifornien) über den Grand Canyon, Prescott und Flagstaff in Arizona nach Las Vegas (Nevada) und schließlich zurück nach LA zu fahren. Denn am 5. Januar 2023 startet dort unsere geführte Mittelamerika-Reise mit der Gruppe.
Gesagt, getan! Nach nur drei Pullerpausen, fünf Stunden und 500 Kilometern auf dem Highway 10 – gefolgt von kurzen, malerischen Landstraßen durch schöne Berge und kurvige Roads – waren wir plötzlich in Arizona gelandet.
Eine karge Mondlandschaft, geprägt von unzählig vielen Ranches für Pferdezucht. Ich muss sagen: In dieses Amerika möchte ich nicht noch einmal. Im Winter ist es echt depri. Der Schnee liegt hier noch, nachts gibt es Minustemperaturen und am Tag maximal 12 Grad.
Wir residieren in einem historischen Hotel von 1927, dem Hassayampa Inn. Das Waschbecken steht direkt neben dem Bett und das Klo spült nicht richtig. Tja, auch das gibt es in Amerika!
Aber ein echtes Kaminfeuer in der Lobby, die berühmte Whisky-Straße im echten Western-Stil sowie leckere Grill-Burger mit Pommes für nur 33 Dollar und ein bisschen Weihnachtsstimmung machten das Ganze absolut erträglich.
Aufgewacht, gefrühstückt (French Toast – Riesenportion für 15 Dollar!) und ab zum Grand Canyon mit geplanter Übernachtung im Hilton Garden Inn in Flagstaff, Arizona.
Unglaublich, dieser Grand Canyon! So etwas Spektakuläres habe ich noch nie gesehen. Die Amerikaner sind wirklich gesegnet, in so einem wunderschönen Land leben zu dürfen.
Allerdings ist es extrem kalt mit nur 6 Grad. Ich musste mir sogar warme Sachen von meinem Kumpel Marc leihen. Das Hotel, in dem wir übernachten, liegt auf dem Berg auf 2.500 Metern Höhe. Um 17:00 Uhr sind wir angekommen – samt einer Stunde Zeitverschiebung zu LA.
Die Fahrerei hat uns ziemlich mürbe gemacht. Es war so windig, dass wir auf den Mopeds richtig Schräglage fahren mussten, um dem Wind überhaupt gegenzusteuern. Eine warme Mahlzeit gab es heute nicht mehr – genug gefressen!
Am 28.12. aufgewacht und den eigenen Augen nicht getraut: Scheiße! Es hat die ganze Nacht durchgeschneit in Flagstaff. 20 cm Schnee, alles spiegelblank und weiß. Fest steht eins: Wir können unmöglich so weiterfahren.
Im Kopf formiert sich sofort Rettungsplan Nummer eins: Abschleppdienst anrufen und die Bikes nach Las Vegas transportieren lassen.
Plan Nummer zwei: Schneeketten um die Motorradreifen schnallen und weiter.
Plan Nummer drei: Alles absagen und die Lage absitzen, bis das Chaos vorbei ist.
Aber erst mal frühstücken und danach die Stories veröffentlichen – schließlich habe ich nicht umsonst das dpa-3-Monats-Abo für 1.500 Euro geholt! Liebe Chefredakteure: Ich werde bis Ende Februar noch ein bisschen mit dem Zimpel spielen. OMG!
Aber mal ganz abgesehen von all dem Chaos: Der Grand Canyon ist wirklich absolut unglaublich. Das ist da so extrem hoch... Selbst ich, der eigentlich überhaupt keine Höhenangst kennt, habe plötzlich ein mulmiges Gefühl gekriegt, als ich da runtergeblickt habe. Und diese schiere Weite – einfach gigantisch!
Als es am nächsten Tag dann so eingeschneit hat, hat uns das komplett kalt erwischt. Darauf waren wir überhaupt nicht vorbereitet. Auf einen Schlag bedeutete das nicht nur eine fette Verzögerung, sondern auch eine gehörige Portion Panik. Im Kopf ging das Kopfkino los: Sollten wir die Mopeds auf einen Abschleppwagen laden und irgendwie zurück nach LA transportieren lassen? Wollten wir die ganze Reise etwa komplett abbrechen? Tausend Gedanken auf einmal. Vor allem, wenn man bedenkt: Das war erst unser achter Tag überhaupt in Amerika – und dann gleich so ein Brocken von einer Herausforderung!
Später gab es noch eine kleine Anekdote am Rande: Dieses absolut spektakuläre Bild, auf dem unsere Mopeds völlig eingeschneit stehen, hat sich tatsächlich einer aus unserer Gruppe gekallt und für seinen eigenen Blog benutzt. Ich fand das ehrlich gesagt ein bisschen drüber – immerhin war das unsere Trip-Achterbahn im Schnee. Aber er schmückt sich da einfach mit unseren Schnee-Motorrädern... Na ja, so läuft das eben manchmal, viele Grüsse übrigens an Martin ;-)
Apropos Zimpel: Ich hatte mir extra vor der Reise dieses verdammt teure Drei-Monats-Abo geholt. Mein Plan war klar: Ich wollte ein bisschen Vlogging machen, meine Erlebnisse teilen und dafür sorgen, dass über unsere Reise berichtet wird. Ich wollte einfach, dass die Leute da draußen an diesem wunderbaren Abenteuer teilhaben können.
Aber was ich da erlebt habe, war ein absoluter Shitstorm. Die Reaktionen waren so abartig und unfreundlich – sie haben mich regelrecht zerschmettert und null akzeptiert. Da fragt man sich wirklich, ob diesen Leuten eigentlich klar ist, welche Rolle sie eigentlich spielen. Sie sollen doch quasi die Augen und Ohren unserer Gesellschaft sein! Stattdessen wird man einfach eiskalt abgebügelt.
Dass eine so tolle Reise durch so eine Erfahrung einen so unangenehmen und bitteren Beigeschmack bekommt, ist wirklich extrem schade. Aber gut, auch das gehört wohl zu den Lektionen dieser Reise...